
„Sex and Drugs im Reihenhaus“
Von Jennifer Held, 09.10.11, 16:43h, aktualisiert 10.10.11, 10:25h
Nach der Auszählung von knapp 600 Stimmzetteln stand die Siegerin schließlich fest. Maria Vollmer aus Köln erhielt neben dem Siegerpokal auch ein Preisgeld von 1111 Euro.
Euskirchen - Der Euskirchener Kleinkunstpreis geht nach Köln, genauer gesagt nach Nippes. Hier lebt Maria Vollmer mit ihrem Mann und den zwei Kindern in einem hübschen, spießigen Reihenhaus und wundert sich, wie es soweit kommen konnte. Schließlich ist sie in den „wilden 70ern“ aufgewachsen. Doch die Reihenhausatmosphäre gefällt ihr, würde nicht immer wieder das Leben dazwischenkommen.
So etwa die Feier zum Kindergeburtstag. „Im Reihenhaus sieht es dann wie in Dresden 1945 aus.“ Sie braucht dann wieder ihre „Blutdrucksenkungsmittel“, wie sie singend zugibt. „Ihr braucht es doch auch“, animierte sie das Publikum im Euskirchener City-Forum zum Mitklatschen. Und spätestens als Maria Vollmer bei der Zugabe wegen ihres Bluthochdrucks mit Headbanging anfängt, ist jedem klar: Die Frau hat sich den Preis redlich verdient.
15 Minuten Zeit
Zum sechsten Mal traten sieben Künstler aus den Kategorien Kabarett, Akrobatik, Gesang und Comedy gegeneinander an. Jeder von ihnen hatte 15 Minuten Zeit, um das Publikum für sich zu gewinnen. Denn dieses bestimmte anschließend mit Kreuzen auf den Stimmzetteln den Gewinnern.
Den Anfang machte Frederic Hormuth aus Heppenheim. „Charaktersau sucht Trüffelschwein“ lautet sein aktuelles Programm, aus dem er einen Ausschnitt präsentierte. Egal ob Privatleben oder Politik – bei Hormuth dreht sich alles um die Frage „Wer mit wem?“. Und während die einen ihren Partner lieber wieder beim Fundbüro abgeben würden, wissen die anderen nach einem tiefen Blick in die Augen: „Zusammen sind wir unausstehlich.“ Anschließend trat Maria Vollmer auf und bewies mit „Sex and Drugs im Reihenhaus“, dass man auch mit einer frühen Startnummer als Siegerin hervorgehen kann.
Anschließend drehten die „Melodisteln“ das Partnerkarussell. Auch bei der Schauspielerin und Sängerin Martina Göhring und dem Pianisten Ernst Seitz drehte sich alles um den richtigen Partner und wie man ihn findet. Sie boten dabei Musikkabarett auf hohem Niveau, konnten dem Publikum aber nicht genügend Kreuzchen auf dem Stimmzettel für eine Platzierung unter den ersten drei abringen. Mit „Flamba“ ging es danach richtig heiß her. Denn Aleksandra Rodycz und Christian Nebel aus Hamburg spielten wahrhaftig mit dem Feuer. In ihrer Show verbanden sie Akrobatik und tänzerische Elemente und brachten das Forum zum Leuchten.
Auch anspruchsvolles Theater
Anspruchsvolles Theater bot anschließend die Theatergruppe „Atemzug e.V.“ mit ihrem Programm „Mimikry“. In dem Stück wurden die großen Detektive wie Hercules Poirot und Inspektor Columbo zum Leben erweckt. Die Kabarettistin Anny Hartmann trat als letzte Künstlerin auf. Und sie nahm kein Blatt vor den Mund. „Vaginalkanalstraffung nach der Geburt, was soll denn das? Meine Damen, stört Sie das beim Gehen zwischen den Beinen? Hängt da was einfach so rum?“ Auch die Politiker bekamen ihr Fett weg. „Wenn die von der Leyen mit ihrem Köpfchen wackelt, dann weiß ich, bei der ist eine Schraube locker.“
Nach zweieinhalb Stunden und der Auszählung von knapp 600 Stimmzetteln stand die Siegerin schließlich fest. Maria Vollmer erhielt neben dem Siegerpokal auch ein Preisgeld von 1111 Euro, das die Regionalgas Euskirchen gestiftet hatte. Schirmherr war wieder Bürgermeister Dr. Uwe Friedl. Durch den Abend führte Cloozy Haber, die Gewinnerin des Kleinkunstpreises im Jahr 2009. Der Euskirchener Kleinkunstpreis ist gleichzeitig eine Benefizveranstaltung.
Denn der Erlös des Abends kommt dem Veranstalter „Frauen helfen Frauen e.V.“ zu Gute. Der Verein unterhält in Euskirchen eine Frauenberatungsstelle, betreibt das Frauenhaus sowie die Beratungsstelle für Schwangerschaftskonflikte und setzt sich unter anderem gegen Gewalt an Frauen ein.

Fruchtbarkeitstanz überzeugte
Von Claudia Roberz, 10.10.11, 13:07h Die rund 500 Zuschauer im City-Forum standen nach dem zweistündigen Programm aus Kabarett, Show und Tanz vor einer wirklich schweren Aufgabe: Welchen Kleinkunst-Act sollten sie als Gewinner des sechsten Euskirchener Kleinkunstpreises wählen? EUSKIRCHEN - DIE RUND 500 ZUSCHAUER IM CITY-FORUM STANDEN NACH DEM ZWEISTÜNDIGEN PROGRAMM AUS KABARETT, SHOW UND TANZ VOR EINER WIRKLICH SCHWEREN AUFGABE: WELCHEN KLEINKUNST-ACT SOLLTEN SIE ALS GEWINNER DES SECHSTEN EUSKIRCHENER KLEINKUNSTPREISES WÄHLEN? Schließlich entfielen die meisten Stimmen auf Maria Vollmer mit ihrem Programm "Sex und Drugs im Reihenhaus". Ihre bunte Mischung aus Gesang, Text und "Nippesser Fruchtbarkeitstanz", der die Pflanzen in ihrem Reihenhausgarten zu wahren Blühwundern wachsen lässt, war aber auch zu köstlich und verwies Nummern wie "Flamba" mit ihrer Feuershow oder die "Melodisteln" mit ihrer Darbietung zur Partnersuche via Internet auf die Plätze.
Mit politischem Kabarett startete der Abend. Frederik Hormut aus Mannheim, der bereits als Autor für Comedian Bülent Ceylan arbeitete, verglich Angela Merkel mit der blinden Furchenqualle: Die Kanzlerin schleppe wie dieses Meerestier Kurzschwanzkrebse mit - und zwar immer die, die sie gerade gebrauchen könne. Für die Politikverdrossenheit vieler Deutscher hatte Hormuth eine simple Erklärung parat: "Jedes Volk kriegt die Politiker, die es braucht, um sich nicht mehr für Politik zu interessieren."
Die "Melodisteln", das sind Martina Göhring und Ernst Seitz, unterhielten das Publikum mit der von Martina Göhring wenig erfolgreich durchgeführten Partnersuche im Internet. Ob Milbenforscher oder Reitlehrer Jonathan - kein Internet-Partner konnte die Single-Frau überzeugen.
Einblicke in ihr musikalisches Können gaben der Klassik- und Jazzpianist Seitz und die ausgebildete Schauspielerin und Sängerin mit ihrer Musik-Kabarett-Nummer.
Atemberaubend war die spektakuläre Feuershow von "Flamba". Mit ihrer Mischung aus Tanz, Show und Akrobatik zauberten Aleksandra Rodycz und Christian Nebel in den 15 Minuten ihres Auftritts - jedem Künstler stand an diesem Kleinkunstabend die gleiche Zeit zur Verfügung - eine Show auf die Bühne des City-Forums, die ihresgleichen sucht. In dem völlig abgedunkelten Saal tanzten die Flammen. Rodicz und Nebel schienen schwerelos über die Bretter zu gleiten.
Wieder ein ganz anderes Genre bedienten die jungen Kölner Akrobaten des "Atemzug"-Zirkus'. Mit Originalzitaten aus berühmten Filmen betraten sie als als berühmte Figuren aus Kriminalromanen die Bühne. Da trafen die Inspektoren Colombo, Clousou und Poirot auf Mrs. Marple, Emma Peel und Sherlock Holmes - alle in den für die Zuschauer unverwechselbaren Kostümen. Dann warteten sie mit gekonnter Akrobatik auf.
Miss-Wahl mit Beigeschmack
Mit ganz schön bissigen Texten betrat zum Abschluss Anny Hartmann die Bühne. Das Lachen im Halse stecken blieb allerdings vielen Zuschauern, als Hartmann vorschlug, die finanziell nicht gut aufgestellten Frauenhäuser könnten doch eine Miss-Wahl durchführen und die "Miss H(h)andelt" wählen. Schließlich trat die Kabarettistin hier zugunsten des Vereins "Frauen helfen Frauen" auf, der unter anderem das Euskirchener Frauenhaus betreut.
Doch dieser etwas unglückliche Auftakt ihrer Nummer war bald vergessen. Ihre gesellschaftskritischen Spitzen kamen beim Publikum so gut an, dass es Anny Hartmann auf den zweite Platz wählte.
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